Die Fahnenschwingergruppe des BZ St. Konrad

1911 ist auf Initiative der Ravensburger Stadtverwaltung und engagierter heimatverbundener Bürger die Rutenfestkommission e.V. entstanden. Seither trägt sie mit ihren ehrenamtlich arbeitenden rund 300 Mitgliedern in Zusammenarbeit mit der Stadt die Verantwortung für die Organisation und Durchführung des Festes, das zum zentralen Schüler- und Heimatfest Ravensburgs geworden ist. Aus den Reihen der Rutenfestkommission sind immer wieder mit viel Geschick und Geschichtstreue Ideen zur Gestaltung des Rutenfests und des Festzugs entstanden.

So ist auch die Fahnenschwingergruppe des Bildungszentrums St. Konrad im Jahre 1979 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden der Rutenfestkommission, Albrecht Krauss, und des Festzuggestalters, Otto Lutz, entstanden.

Als 1969 in der Trägerschaft von Eltern eine Grund- und Hauptschule auf dem Sonnenbüchel in Ravensburg gegründet und 1976 zu einem Bildungszentrum ausgebaut wurde, war für beide Verantwortliche der Rutenfestkommission klar, dass auch die Schüler von St. Konrad unbedingt beim Rutenfest mit dabei sein müssen.

Der Zufall stand dabei Pate: Otto Lutz hatte ein paar Jahre zuvor bei der Ausstellung „500 Jahre Schützengilde Ravensburg“ in einem Buch historische Darstellungen über die großen Schützenumzüge in den Freien Reichsstädten im 16. Jahrhundert entdeckt. Den Schützen gingen dabei immer Trommler, Pfeifer und Fahnenschwinger voraus. Diese Darstellungen griff er auf und ging daran, historische Vorlagen für die Kostüme und Fahnen zu suchen und umzusetzen.

Die Trommler wurden mit grau-schwarz gestreiften Kniebundhosen und gelben Strümpfen, schwarz-rot gestreiften Jacken mit weißen Halseinsätzen und federgeschmückten Baretts bekleidet.

Die Pfeifer haben dieselbe Bekleidung, nur in schwarz-grüner Farbe. Die Fahnenschwinger tragen keine Jacken, sondern weiße Hemdblusen mit ärmellosen Lederwesten. Ihre Kniebundhosen sind in verschiedenen Farben gefertigt. Sie tragen und schwingen die bemalten Fahnen mit Aufschrift und Wappen der früheren Freien Reichsstädte Leutkirch, Lindau, Memmingen, Reutlingen, Überlingen, Ulm, Wangen und Ravensburg.

Die neue Gruppe mit drei Trommlern und je sechs Pfeifern und Fahnenschwingern bildete dann 1979 gemeinsam mit der Schülergruppe, die ihre Ruten vorantragen, und den Herolden auch die Spitze des Festzuges. Heute ist die Gruppe in den Teil III des Festzugs „Aus der Geschichte der Stadt“ eingebunden und ist die erste Musikgruppe bei der Festzugs-Darstellung „Freie Reichsstadt Ravensburg“.

Durch den enormen Zuwachs an Schülern am Bildungszentrum und das gestiegene Interesse an der Gruppe nahm auch die Größe der Fahnenschwingergruppe immer mehr zu. Heute tritt die Gruppe mit bis zu neun Trommlern, vierzehn Pfeifern und zehn Fahnenschwingern auf. Es ist einmalig am Rutenfest, dass in dieser Gruppe Jungen aus allen drei Schularten -der Werkrealschule, der Realschule und dem Gymnasium- aus den Klassen acht bis zwölf mitwirken. Eine Beteiligung von Mädchen wäre am ehesten bei den Pfeifern möglich, doch bisher war dies noch nie Thema bei den Verantwortlichen der Rutenfestkommission oder der Schule. Schon im Januar beginnen die Jungs mit den Proben, da jedes Jahr bei den Trommlern, Pfeifern und Fahnenschwingern jeweils zwischen vier und sechs Neue das Programm erlernen müssen. Eine Teilnahme bei der Fahnenschwingergruppe ist zwischen einem und vier Jahren möglich, dann hat man die Schule verlassen oder steht kurz vor dem Abitur. Ab Pfingsten bis zum Rutenfest am Schuljahresende übt die gesamte Gruppe täglich etwa zwei Stunden im Freien, um für die mehrtägigen Festlichkeiten und Auftritte am Rutenfest vorbereitet zu sein. An den Rutentagen sind sie dann täglich bis zu 15 Stunden im Einsatz. Neben den offiziellen Auftritten zieht die Gruppe durch die Stadt oder fährt mit drei Kleinbussen in die Umgebung, um bei den Familien der Teilnehmer, bei Freunden und Bekannten, bei Lehrern oder Honoratioren ihr Rutenspiel vorzutragen. Insgesamt beehren die Jungs etwa 200 Adressaten und erspielen sich ein kleines Taschengeld oder werden über die Tage zum Frühstück, Mittag- bzw. Abendessen eingeladen. Vortrommler, Vorpfeifer und Vorschwinger sind für ihre Teilgruppe verantwortlich und üben selbständig die Märsche und Lieder ein. Übungsdisziplin, Durchhaltevermögen und gutes gemeinschaftliches Verhalten werden hierbei abverlangt. Jedes Jahr wird eine neue Melodie von den Teilnehmern selbst ausgesucht bzw. vertont und einstudiert. So gibt es inzwischen sehr stimmungsvolle Lieder wie „Tanze Samba mit mir“, „Live is Life“, „Rock around the clock“, „La cucaracha“, die auf Trommler, Pfeifer und das Synchronschwingen der Fahnenschwinger abgestimmt sind. Betreut und unterstützt wird die Fahnenschwingergruppe von Lehrkräften der Schule oder von Mitgliedern der Rutenfestkommission.

Von 1979 bis heute ist der frühere Lehrer und Rektor der Grund- und Hauptschule am Bildungszentrum St. Konrad, Werner Duttle, hauptverantwortlich für die Gruppe. Unterstützt wurde Werner Duttle in den Jahren 1981 - 1985 von seinem Kollegen Martin Stahl bzw. zwischen 1985 und 1995 von Lothar Landsbeck.

Ab 1995 rückten ehemalige Teilnehmer der Fahnenschwingergruppe, die sich auch in der Rutenfestkommission engagieren, in der Mitverantwortung nach. So ist nun schon über 20 Jahre Ralf Kreuzer als Betreuer tätig und seit einigen Jahren Heiko Herter, der auch die Homepage ( www.fahnenschwingergruppe.de ) eingerichtet hat und pflegt.

Ebenso helfen zahlreiche Eltern und ein seit Jahren sehr aktiver Förderverein aus Ehemaligen der Fahnenschwingergruppe mit, das Rutenfest für die Aktiven der Fahnenschwingergruppe und die Mitwirkung in dieser Gruppe zu einem Erlebnis werden zu lassen.